Abbildung vom Wolfrhine Arche Noah Projekt

"Das Wolfrhine Arche Noah Projekt". Wir treffen es überall: Das Arche Noah Prinzip. Ähnlich wie die Untergangs-Szenarien der Apocalypsen-lastigen jüngsten Film-Epoche steht es für ein unmenschliches oder zumindest wenig halb-göttliches (phil. für menschliche nicht animalische Moral und Ethik) Prinzip: das des Neuanfangs, gepaart mit einer Auslese, einer Selektion basierend auf dem Wunsch die Welt neu zu ordnen. Erschreckend dabei ist die Analogie zum Völkermord und dem Genozid wie in ethnischen Rivalitäten oder dem National-Sozialismus vorkommend, die wahrscheinlich nicht jedem gleich ins Auge sticht. Sollte es aber. | Artist: Basil Wolfrhine (in courtesy of Atelier Wolfrhine) | provided by Wikimedia Commons | © CC BY-SA 3.0

Eine NegativbilanzGriechenlands Arche (Wen hätte Noah mitgenommen?

Dem Ursprungsland der westlichen Welt, dem Quell der ersten Philosophen, Geburtstätte der Physik und Sternenkunde, dem Archipel auf dem der Demokrat die Welt erblickte, steht das Wasser bis zum Hals. Und Hilfe aus dem Familien-Font der EU gibt es wohl nur in alt-bewährter Kolonialmanier: mit Bedingungen, die die Gesellschaft zersetzen, wirtschaftlichem Einfluss im Land von außen, und mit Zinseszins, versteht sich. Was sagt das über die wirtschaftliche Konstruktion der westlichen Welt und das EU-Bündnis aus? Was sagt das darüber aus, was wir von der Metapher "Wer an dem Ast sägt, auf dem er sitzt" begriffen haben? ... Vieles.

„Denn wie sie waren in den Tagen vor der Sintflut – sie aßen, sie tranken, sie heirateten und ließen sich heiraten bis an den Tag, an dem Noah in die Arche hineinging; und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut kam und raffte sie alle dahin –, so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohns“

Mt 24,38–39, Lutherbibel.

Wenn Noah heute eine Arche bauen würde, wen, so frage ich mich, würde er von uns modernen unreflektierten Homo Sapiens Vertretern, die wir es nicht schaffen, auf die Fragen der heutigen Zeit kluge Antworten zu finden, mitnehmen?

Homo sapiens ist der wissenschaftliche Name für den modernen Menschen und bedeutet aus dem Lateinischen übersetzt „verstehender“, „kluger“ oder „weiser Mensch“. Er bezeichnet die einzige heute noch lebende Art der Gattung Homo, die sich durch ein großes Gehirn, aufrechten Gang, komplexe Sprache und kulturelle Entwicklung auszeichnet, erklären uns die Online-Lexika. Aber wie es mit dem aufrechten Gang (Computer Sessel, abgeknickter Kopf "Smartphone Kopfsenkung"), der komplexen Sprache (Stammtisch,Twitter) und kultureller Entwicklung (Marvel Universum Finanzierungen in Milliarden Höhe bei Abbau der Theater Subventionen) heute aussieht, so fürchte ich, bedarf es einer neuen Spezies-Umschreibung für das neue Jahrtausend.

Hinzu kommt im demografischen Wandel dass Griechenland meiner Ansicht nach bald die "älteste Nation" Europas sein dürfte. Bis Mitte des ersten Jahrhunderts im neuen Jahrtausend werden die Italiener als "ältestes Volk" in der EU bald abgelöst. Dem Land fehlen junge Menschen und ihr Nachwuchs. Auch eine Baby-Prämie scheint daran nichts ändern zu können.

In dem Film "Children of Men", welcher zu einem meiner philosophisch interessantesten Untergangsszenarien-Filme gehört, die man zitieren kann, ist es das Baby und die fruchtbare Mutter, die gerettet werden müssen, da es in dem Film zum Zeitpunkt des Geschehens keine Fruchtbarkeit und keine Kinder mehr gibt auf der Welt. Was nicht das eigentliche Haupt-Thema des Filmes sondern nur die Motivationsgrundlage für das Geschehen ist. Natürlich hat jeder und jede Partei im Film wieder einen ganz anderen Plan, was mit dem Kind passieren soll. Und so kommt es in dieser durch Kriege zerrütteten Erwachsenenwelt dadurch zu noch mehr Krieg. Menschen werden ermordet, die das Kind versuchen zu beschützen und von der völlig aufgeputschten gefährlichen Öffentlichkeit fern zu halten. Schließlich trägt es die Hoffnung und Zukunft einer neuen Menschheit in sich.

Das ist das gesellschaftlich dynamisch interessante für mich an dem Film. Ein vermeintlich übergreifend wichtiges Thema wird zur Zerreisprobe in den verschiedenen Graswurzelbewegungen dieser Utopie. Und das Kind geht dabei bienahe drauf. Oder um es in Monthy Pythons Worten aus "Des Leben des Brain" zu sagen: "Wir? Die judeische Volksfront? Pah! Wir sind die Volksfront von Judea! Die judeische Volksfront sitzt da drüben ... >>> Spalter!" Welch weise Gesellschaftsanalogie, die schon allein in dieser kleinen Szene zusammen gefasst nicht nur das Problem mit dem gemeinsamen Ursprung aller großen Weltreligionen und ihren tausendjährigen Konflikten sondern auch den Missbrauch von Ideen, der Anwendung von Ideologien und die Machtgier und damit einhergehende Spaltung der Gesellschaft, die bis in die vermeintlich wohlfeilsten Winkel der Moral und Ethik vordringen, umschreibt.

Und spannend dabei ist doch, dass der Film sogar in Details nicht allzu weit von der Wahrheit entfernt ist. Der Film zeigt auf eindrucksvolle Weise wie sich die Menschen an sinnlosen Interessenkonflikten aufreiben, wo es doch ohne Nachwuchs gar keinen Grund mehr gäbe sich noch darum abzumühen. Und auch die westliche Welt hat angeblich ein Kinderproblem. So zumindest die berühmte Alterspyramide, die momentan wohl eher wie ein Pilz aussieht. 

Aber, das frage ich mich schon seit langem, was ist eigentlich so schlimm da dran, dass die Älteren zahlenmäßig nicht mehr in der Minderheit sind, wie noch im Mittelalter, wo man froh sein konnte das 60. Lebensjahr zu erreichen? Geht es darum junges, naives, Kaufvolk zu züchten, weil bekanntermaßen die Jugend mehr konsumiert? Oder geht es vielleicht darum, dass die Alten zu viel über die Vergagenheit wissen, um sie zu einem neuen Krieg zu überreden? Ich will damit andeuten: Die Jugend ist ein willkommendes und gut steuerbares gesellschaftliches Zündmaterial. Während diese sich mit "OK, Boomer" mal eben zum allein Diskursberechtigen ernennt, hat die Altersweisheit auf Grund dessen, dass man alle Probleme und Konflikte der Vergangenheit, Gegenward und Zukunft, als Schuld versucht allein auf den Alten abzuladen während die Jugend die Müllberge mit Smartphones füllt, ausgedient.

Der vorgegebene Grund, es würden Arbeitskräfte fehlen, die die Rente finanzieren müssten und dabei zu viele, die Rente bekämen, ist schlichtweg eine Scheinrechnung und ein mir unerklärlicher erneuter Versuch von Altersdiskriminierung in Zeiten von Altersüberschuss. Wie schon zuvor angedeutet, vermutlich motiviert aus einer industriellen Dynamik in unseren Wirtschaftssystemen auf dem Konzept der Jugend. Denn wie kann es Mangel an Arbeitskräften geben wenn es Mangel an Arbeit gibt? Die Arbeitsmärkte sind defacto voll von Menschen, die arbeiten könnten wenn die Strukturen es zuließen. Und viele ältere Menschen würden gern arbeiten aber seien angeblich nicht tauglich in einer modernen Welt. Und verbrauchen dabei nachweislich weniger Geld als Jüngere weil ihr Konsumbedürfnis nachweislich geringer ist. Vielleicht ist das auch der Grund warum man sie nicht auf den Arbeitsmarkt lässt. Schliesslich sollen dort jene hin die konsumieren.

Abschließend zu meinen Ausschweifungen über das Kinderkriegen noch Eines: ich las jüngst etwas über die Hoffnung einiger Analysten, es würden bei ein bisschen Werbung für das Kinderzeugen und einer kleinen Panikmache zur Zukunft der Menschheit vielleicht ja dann auch mehr Intellektuelle dem Aufruf mehr Kinder zu bekommen folgen. Ich fand diesen Blickwinkel erst etwas ungewollt urkomisch, dann irgendwie etwas menschenverachtend. Und dann aberwitzig. Aber ja, das haben antropologische Ansätze ja oft im Impuls gemein. Und um mal dementsprechend anthropologisch-zynisch zu bleiben: die Menschheitsgeschichte hat gezeigt, dass es scheinbar immer nur ein bestimmtes verfügbares Kontingent an Geist gibt, was dann entweder auf 3 oder 300 pro Generation verteilt wurde. Wie man am Beispiel dieser Analysten gut erkennen kann. Also so gesehen erreichen wir damit eventuell nur das Gegenteil.

Also, so frag ich noch einmal: wen würde Noah mitnehmen? Ich vermute: eher verarmte griechische weise alte Menschen vom Lande mit Lebenserfahrung und Demut dem Leben gegenüber, als denn junge dynamische Großstädter aus Berlin. Warum? Vielleicht weil das Urmenschliche was den Erfolg unserer Zivilisation ausmacht nicht in den modernen Schlagabtauschen und Grabenkämpfen zu finden ist. Vielleicht weil wir blind an das ewige Wachstum und das Erfolgskonzept glauben. Immer noch trotz nachwachsender Generationen verhangen sind in der Illusion von Innovation und Invesition des alten Industriezeitalters. Griechenland kann in der Seele des Landes mit dem goldenen Ochsen nichts anfangen. Und Göttin Europa täte gut daran sich Griechenland, die Wiege der Demokartie noch einmal genauer anzuschauen bevor sie weiter einem Ochsen hinter her rennt.

Während Mitte, Rechts und Links sich weiter auf unterschiedlich dilettantische Art und Weise den schwarzen Peter bezüglich der griechischen Wirtschafts-Misere zuschieben, ist doch bitte festzuhalten: weder die Geburtenrate ist das Problem. Noch die Menschen mit Immigrationshintergrund. Denn aufgepasst ihr Genies auf den rechten Plätzen: weit gefasst sind wir das nämlich alle (Immigranten). Aber die meisten hatten wohl in Geschichte einen Fensterplatz.

Und was macht die gute alte einheimische 68er Generation und ihre verlorengegangene Identifikation, da sie sich ja mal über "gegen" etwas definierte und was ja Dank ihnen heute kaum mehr existiert und ihnen somit jeglichen Anhaltspunkt zu neuem Denken weggenommen hat? Sie ist alt und ein Relikt ihrer eigenen Konservativismus Kritik geworden. Dabei wäre es tatsächlich mal wichtig über Erhalt zu reden. Über ein stabiles, humanes und weltoffenes Europa, was sich aber auch auf ursprüngliche Werte und historische und kulturelle Identiät besinnt und darüber, dass äußere so wie auch innere Kräfte am politischen Rand gerade fleißig an dem Ast sägen, auf dem wir alle sitzen.

Will man Panikmachern wie mir glauben, ist Griechenland der erste von so einigen Dominosteinen im EU-Gebäude einer kommenden Depression in der westlichen Hemisphere. Aber vielleicht ist genau das das Problem. Negativbilanzen. Noah sollte vielleicht nur jene mitnehmen, die zu aufbauenden und positiven Bilanzen neigen. Geschwärzte Zahlen sollen ja in den letzten Jahrhunderten schon so den einen oder anderen Systemsturz, ähm Entschuldigung Systemabsturz, verhindert haben.

Dann wird wohl ein kleines Boot genügen. Und ich fürchte fast, dass ich mir dann wohl auch schon mal Schwimmflossen kaufen gehen sollte.

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