Gabor Munier
Geschrieben von:

Gabor Munièr

Autor, freier Kolumnist, Essayist

IT Branche erfindet sich selbst

Der Kreis von Arbeit und Selbsterhalt

Überlebensstrategie der Programmierer

Preview Abbildung von Schatten zwischen Netzen und E-Mail-Symbol

"Human Computer Internet". | photo by geralt | provided by pixabay | ©  Public Domain CC0

Preview Abbildug von Zeichnung einer Frau vor dem Computer

"Computer Workstation Variables cleanup". | photo by Yamavu | provided by Wikimedia Commons | ©  Public Domain CC0

Preview Abbildung von Hybrid Assistive

"Hybrid Assistive Limb, Cyberdyne". | photo by yuichirock | provided by Wikimedia Commons | ©  CC BY 2.0

Preview Abbildung von Hybrid Assistive

"Human Media Lab by Karim Rashid". | photo by Karim Rashid | provided by Wikimedia Commons | ©  CC BY-SA 3.0

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Lesedauer: 4 mins

Ein oft gehörtes, humoresk aber ernst gemeintes Zitat lautet: "Der (heimische) Computer löst Probleme, die man ohne ihn nicht hätte." Traurig aber leider oft wahr, denkt jeder der mal einen halben Tag mit einem unsäglich sturen Drucker gekämpft hat und sich wünschte er hätte die #Schreibmaschine benutzt. Dabei war der Ansatz des heimischen "Desktop-Computers" (oder #PC) ja anfänglich mal ganz "idealistisch". Nur hat ihn eine darum herum wachsende Industrie als Eierlegenden Wollmilchsau mit teilweise unsäglichen Produktpaletten und Kompatibilitäts-Chaos wieder zunichte gemacht.

Womit wir dann auch zu den nachträglich treibenden und Kreislauf erhaltenden Kräften in diesem Bereich kommen, welche damit ihre Existenzberechtigung begründen: Programmierer. Oder #IT-Spezialisten. Oder Entwickler. Namen gibt es für sie viele. Je nach Schwerpunkt ihrer Arbeit als Virus am Wirt Mensch. Solang nur ihre Existenz nicht durch Hinterfragung der Maschine gefährdet wird. Und um das sicher zu stellen muss die Maschine sexy sein. Und um das Eingangszitat auf sie zu übertragen: Zum Selbsterhalt programmieren Programmierer heutzutage leider oft Dinge, die es ohne sie gar nicht bräuchte. Leider ebenso traurig aber wahr.

Die Komplexität die ein Bereich heutzutage auf Grund der Vielschichtigkeit unserer Zivilisation sofort (also astronomisch gemeint, innerhalb der ersten Entwicklungsphase) erfährt, führt oft dazu, dass mehr Kraft da hinein geht, diese zu bewältigen, als die Vorteile dieses neuen Entwicklungsbereiches auf die Zivilisation anzuwenden. So auch im digitalen Zeitalter. Dem Zeitalter der Computer. Die Erfindung des Computers war kürzlich häufiges Thema auf Fassette auf Grund einiger Jährungen und wir sind begeisterte Futuristen und Beobachter des modernen digitalen Zeitalters.

Aber es darf erlaubt sein zu fragen, ob das wirklich optimal läuft in der IT-Branche und inwiefern wir das Bild von einem Spezialisten nicht mehr hinterfragen müssen. Arbeiten sie doch schon ziemlich weit im Hintergrund und lassen vieles im Dunkeln darüber warum bestimmte Entwicklungen so lang dauern oder warum sie eine Gefahr darstellen könnten oder nicht, und wenn für wen. Letzten Endes ist sogar unsere heutige Datenschutz Debatte zum Teil eine Debatte um die Undurchschaubarkeit des Digitalen Zeitalters und somit der IT-Welt und ihren Protagonisten.

Schaut man sich nur mal den Bereich der Web Applications Entwicklungen an und die immer wieder hinzukommenden Layer (Zwischenebenen) von (Script-) Sprachen, die sich wiederholt und immer wieder zwischen zwei damals noch neue und jetzt schon wieder veraltete Computer- oder Script-Sprachen setzen und zwischen ihnen kommunizieren sollen, und den dadurchentstehenden Zwischen-Märkten, Schulen, Ausbildungsplätzen, Experten-Agenturen, usw., ist es nicht verwunderlich dass man auf einer Magazin-Seite, wie Fassette, auch mal die Frage stellt: "Was programmiert ihr da eigentlich?" - "Eine Zukunft?" - "Etwas Nützliches?" -"Etwas, was die Menschheit wirklich braucht?" - "Und muss jetzt wieder eine neue Sprache zwischen 2 existieren Sprachen erfunden werden?".

Boilerplate-Frameworks, #CMS, #PRM, #CRM, #HTML, #PHP, PHP-Frameworks, #CGI, #CSS, #SASS, L#ESS, #JS, #jQuery, sowie all die Logiken und Scriptsprachen der Systeme selbst, die Aufzählungen könnten endlos weiter gehen: Wie viel tausend Innovationen mehr braucht ein Bereich denn noch, der es seit seiner Gründung bis auf 2 wesentliche nicht geschafft hat glaubhaft zu belegen, dass auch nur eine weitere dem Menschen außerhalb des Entstehungsprozesses der Entwickler selbst genützt hat? Die Monopol-Stellung von Google ist doch nicht in Magie begründet, sondern in dem banalen wie logischen Fakt, dass Google eine der 2 wesentlichen Innovationen des WWW als Haupt- und Startschwerpunkt hatte: Eine weltweite Suchmaschine. Die Mehrheit nutzt Youtube um Katzenvideos zu schauen und die Mehrheit nutzt Suchmaschinen um zu Amazon, Ebay oder zu einer Seite zu gelangen, die Ihnen jemand kürzlich empfohlen hat.

Aber vielleicht ist die Grund-Frage schon falsch gestellt: Vielleicht ist heute der "Nutzer" und der "Entwickler" nicht mehr wirklich voneinander zu trennen. In gewisser Weise muss heute ein Computernutzer auch ein Computer-Nerd sein. Computer-Betreuung und Beratung, mit der Menschen noch vor 15 Jahren in den 1990ern gut Geld verdient haben um Kunden oder Großkunden mit ihren Computern zu helfen, gehört heute zum Grundwissen von Jugendlichen oder ist gar schon längst verjährt und gegen Wissen über #Android, Smartphone App Technology oder Ähnliches ausgetauscht worden.

Oder vielleicht ist es ein wenig wie mit der Gastronomie. So unter dem Motto: Was soll ich machen? Geh ich kellnern. Was soll ich machen: Ach mach ich Webseiten. Die Grenze zwischen ernst zu nehmenden Berufsgruppen und Segmenten mit gewisser Expertise und dem Nutzer oder Tüftler verschwimmt. Aber, und das ist der Grund für die Eingangsprovokation und Frage, das Undurchschaubare für jene, die das nicht täglich mitverfolgen und nicht so tief in den digitalen Welten versunken sind, bleibt. Und die Gefahr des Missbrauchs ihrer Unwissenheit auch. Man könnte fast schon reißerisch à la Yellow Press Style sagen: "2 völlig parallele wenig voneinander wissende Welten entwickeln sich in sehr unterschiedliche Richtungen. Wo wird es hinführen?"

Comments

Midas

Es gab in der Geschichte der Menschheit immer wieder bahnbrechende Erfindungen die wegweisend waren oder neue Zeitalter einläuteten. Leider sind jedoch nicht alle Menschen so idealistisch und unter die klugen Köpfe der Erfinder mischten sich auch immer mehr Nutznießer, die auch was vom Kuchen abbekommen wollten. Heutzutage ist das mittlerweile schon so sehr ausgeartet und manche Firmen geben mehr Geld für Marketing und Werbung als für die Produktkonzeption und Fertigung selbst aus. Zumal man sich auch wirklich oftmals fragen muss "brauch ich das überhaupt?". Es gibt mittlerweile schon Rankings über die "10 sinnlosesten Erfindungen der Welt" und ähnliches. Aber wie es scheint ist es erfolgreicher, den Kunden so lange voll zu lullen, bis er selbst der Meinung ist er könnte ohne etwas nicht mehr leben, als einfach wirklich nützliche Dinge zu erschaffen und zu verkaufen

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