Britta Leuchner
Geschrieben von:

Britta Leuchner

Filmkritikerin, freie Publizistin

Filmrezension

12 Years a Slave

Eine Kritik zum Kino-Film

Preview Abbildung des BluRay DVD Covers zum Kinofilm - 12 Years A Salve

BluRay/DVD Cover zum Kinofilm "12 Years A Slave" aus dem Jahr 2013, mit dem Hautdarsteller Chiwetel Ejiofor, der die Rolle des Solomon Northup spielt, auf dessen gleichnamiges autobiografisches Werk, aus dem Jahr 1853, der Film basiert.

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Lesedauer: 4 mins

12 Years a Slave (EN/DE) | 2013

Regie: Steve McQueen
Drehbuch: John Ridley
Originalsprache: Englisch
Produzenten: Brad Pitt, Dede Gardner, Jeremy Kleiner
Musik: Hans Zimmer
Kamera: Sean Bobbitt
Schnitt: Joe Walker

Schauspieler (Cast):

Chiwetel Ejiofor: Solomon Northup
Michael Fassbender: Edwin Epps
Benedict Cumberbatch: William Ford
Paul Dano: John Tibeats
Garret Dillahunt: Armsby

Produktion: Regency Enterprises, River Road Entertainment, Plan B Entertainment
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich
Länge: 134 Min. | Freigabe: FSK 12, JMK 14

Ein wohl (so muss ich herb sagen, entschuldigt) vom Elendstourismus weißer Mitgefühls-Heuchler refinanzierter Streifen mit von Anfang bis Ende mimisch sehr vereinfachten Darbietungen der vier wichtigsten Gefühlsregungen im Gesicht der Darsteller. Und ein meiner Ansicht nach eher für eine Doku geeignetes Thema als denn für einen Film, der hier bereits schon von mehreren Rezipienten tragischer Weise (meine Bedenken bestätigend) als "gute Unterhaltung" bezeichnet wurde.

Was beim Auspeitschen von einer jungen Frau bis die Knochen zu sehen sind, als gute Unterhaltung verstanden werden kann, bleibt mir jedoch ein Rätsel und die szenische Ausarbeitung solcher menschlichen Qualen ebenso in der Aneinanderreihung ohne Aufschluss über die Entwicklung dahin in ihrer Notwendigkeit verschlossen, wie die realistische Darstellung von durch Explosionen von Bomben zerfetzten Menschenteilen, wie sie oft in den sogenannten "Antikriegsfilmen" (die keine sind) in erhöhtem Maße zelebriert werden. Fragt sich nur offensichtlich keiner woher z.B. die Erlaubnis kommt, Kriegsschiffe beim Dreh zu nutzen, wenn solche Filme sich ja angeblich sooo gegen den #Krieg und Armee aussprechen. Aber das nur am Rande.

Der Film hat als Medium und Entscheidung zum Format "Film" (anstelle einer Dokumentation) weder eine glaubhafte Dringlichkeit noch stellt er vom Thema abgelöst eine filmische Glanzleistung dar und neigt auf Grund des brisanten Themas zu einer kollegialen Überbewertung, die meiner subjektiven Ansicht nach nur mit einer glaubhaften Motivation einzelner Figuren in der Geschichte zu rechtfertigen gewesen wäre. So bleibt die Frage der Daseinsberechtigung (das Thema allein reicht dafür nicht aus) für mich leider offen, bleibt hinter dem seichten Kostümfest à la "Fackeln im Sturm" gepaart mit ein paar schreienden Sklaventreibern und Peitschenhieben verborgen und es wird kein tieferer Blick in einzelne Kontrahenten im Film zugelassen, der das einfache Gerüst zwischen Gut und Böse mehr als nur für eine kleine Toleranz-Gefälligkeit ein wenig auffächern und ausdifferenzieren könnte.

Alle eingenommenen Positionen wirken schemenhaft, wie in einer Operette und viele Szenen sind vom Drehbuch her für meine Wünsche zu unausgereift und unschlüssig und teilweise wahrscheinlich sogar beim Dreh sehr schlecht ausgearbeitet worden, wirken wie am Fließband abgearbeitet. Schwierig für mich, bei solch einem ernsten Thema. Ein Fassbender braviert in seiner Leistung mit der er gegen die Frage seiner Funktion im Drehbuch ankämpft zweifelsohne und kann doch diese Frage nicht beantworten und bleibt verzweifelt mit einer verschenkten Glanzleistung dem Publikum die Motivation seiner Figur schuldig, die hier ungerechtfertigt hervor sticht gegenüber der Leistung des Hauptdarstellers, der nur Heldenmimik aufsetzt. Ein für das Thema unpassendes Unverhältnis entsteht. Dies muss nach seiner erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem selben Regisseur in "Shame" sicher eine herbe Enttäuschung sein, sofern hier Zustimmung herrscht.

Gerade am Anfang des Films verspürte ich bereits bei dem vehement überzogenen übermäßig-fragenden posenden Dackelblick des Protagonisten ohne dass der Funke bei mir übersprang, ständig das Bedürfnis den Film auszumachen. Es hatte was von den Good Cops aus den Filmen der 1990er. Es wirkte fasst schon parodesk, wie er sich mit James Dean Blick und saloppen Schritt und Hut durch die Häuserkulissen tänzelte. Ich vermute doch behaupte nicht zu wissen, dass der Hauptdarsteller trotz meiner Sympathie für ihn eventuell schon eine entscheidende Fehlbesetzung war, zu wenig transportiert, um von Drehbuch-Schwächen abzulenken. Denn kein Film ist perfekt und kleinere Patzer werden am Besten durch starke Eindrücke an anderer Stelle ausgeglichen.

Und warum seit Jahren auf dem Feld arbeitende Sklavinnen aussehen müssen wie Naomi Campell während sie ausgepeitscht werden und die Wahl der Ästhetik des Films im Gesamten so gefällig ja fast schon gewollt erotisch wirkt, bleibt mir hier auch verschlossen. Aber vielleicht ist das der neue Look zum Drama. Wer weiß.

Er ist sicher insgesamt kein schlechter Film, aber durch seine Hochstilisierung als Film des Jahres und vor allem durch das ernste Thema, dass er gewählt hat, gepaart mit der meiner Ansicht nach starken Verfehlung innerhalb des Themas in meiner Bewertung in Ungnade gefallen. Inwieweit ich da noch objektiv die Leistung der Gewerke mit einbeziehen könnte, stelle ich mal selbst in Frage und weise darauf hin, dass dies eine sehr emotionale Wertung aus meinem Ärgernis heraus ist, dass ich solch einem Thema eine andere Behandlung gewünscht hätte.

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